Pilz des Monats September: Der Kahle Krempling


Straubing: Dieser Pilz ist der beste Beweis dass sich der Schwammerlsucher nicht nur auf das geerbte Pilzbuch der Oma verlassen soll, sondern alle paar Jahre ein neues Pilzbuch kaufen und lesen sollte. Früher war der Verkahlende oder kurz Kahle Krempling (Paxillus involutus) ein Marktpilz, man konnte ihn also käuflich erwerben und viele ältere Pilzsammler erinnern sich an häufige Kremplingsmahlzeiten in ihrer Jugend und auch noch später. Schon damals war bekannt dass der Pilz roh sehr giftig ist und er nur nach ausreichendem Erhitzen genossen werden kann. Vor einigen Jahren landete eine fünfköpfige Familie in Passau auf der Intensivstation nach dem Genuß nicht ordentlich erhitzter Kahler Kremplinge. Und seit einigen Jahren ist bekannt dass auch der Genuß des ausreichend erhitzten Pilzes das Risiko einer tödlichen, allergischen Reaktion beinhaltet, dem sogenannten Paxillus-Syndrom. Nach erstmaligem Genuß des Pilzes bildet der Körper Antikörper gegen bestimmte antigene Substanzen des Pilzes. Und bei wiederholtem Genuß des Pilzes, dieser kann auch erst Jahre später erfolgen, kann (muß aber nicht, das ist eine individuelle Reaktion) es zu der potentiell tödlichen, allergischen Reaktion kommen. Die Antikörper verbinden sich mit den Antigenen des Pilzes, lagern sich an die Oberfläche der roten Blutkörperchen und bringen diese zum Platzen. Eine sogenannte Hämolyse beginnt und kann in schweren Fällen zum Tode führen. Wer weiß wie viele Menschen früher Opfer dieser allergischen Reaktion gewesen sind bevor man diese als solche überhaupt erkannt hat?

Der Kahle Krempling ist ein recht häufiger Mykorrhizapilz der vor allem in sauren Nadelwäldern wie dem Bayerwald vorkommt. Er kann aber auch in Laubwäldern oder Parks gefunden werden, bei geeigneten Bedingungen (Feuchtigkeit) von Frühjahr bis Herbst. Charakteristisch ist der lange eingerollte Hutrand, daher der Name Krempling. Die Hutoberfläche ist bräunlich, bei Trockenheit leicht samtig, die Hutmitte ist später trichterförmig vertieft. Der Hut hat einen Durchmesser von bis zu ca. 15 cm, meist 5-10 cm. Die Lamellen zeigen gelbe bis braune Töne, bei Druck oder Schnitt zeigt sich schnell eine dunkelbraune Verfärbung. Charakteristisch ist auch, dass sich die Lamellen sehr leicht vom Hut ablösen lassen, z.B. bei Druck mit dem Fingernagel. Die Lamellen laufen weit am Stiel herab. Der Stiel ist 3-8 cm lang, 1-3 cm dick, gelb-bräunlich und auch bei Druck verfärbend. Der Geruch ist leicht säuerlich, das Fleisch ist hell aber dunkelt schnell nach. 


Wenn Sie nicht sicher sind ob Sie einen Kahlen Krempling vor sich haben oder nicht dann fragen Sie bei Zweifeln lieber nach beim Pilzberater Dr. Klaus Breese aus Straubing. Tel. 0174 3039708.