Pilz des Monats August: der Samtfußkrempling

 

Aktuell sind in Niederbayern kaum Pilze zu finden, allenfalls die nach einem Gewitterregen über Nacht auftauchenden Champignons oder Tintlinge. Es benötigt schon noch ausgiebigen Regen damit der Pilzsammler im Herbst auf eine lohnende Schwammerlpirsch gehen kann. Ein Pilz der auch etwas trockenere Bedingungen aushält ist der Samtfußkrempling (Tapinella atrotomentosa) der auf Nadelbaumstümpfen und deren Wurzeln wächst und somit auch im Bayerwald häufig gefunden werden kann. Der braun-feinsamtige, zunächst halkugelige und am Rand 'umgekrempelte' Hut schirmt im Alter auf und hat dann einen welligen Hutrand. Der Durchmesser des Hutes kann 30-40 cm erreichen, ein somit stattlicher Pilz. Ein Blick unter den Hut offenbart den anderen namensgebenden Teil des Pilzes: einen stämmigen, 2 - 10 cm langen Stiel der eine samtige, braune Oberfläche aufweist. Die Lamellen sind weißlich, hellgelb, bei Verletzung bräunend und laufen am Stiel herab. Das Fleisch ist hell, dickfleischig und im Geruch säuerlich.

 

Der Fund einiger dieser teils sehr schönen und großen Pilzkörper ließe das Herz eines Pilzsammlers in die Höhe springen, gäbe es da nicht ein Problem: der Pilz wird in den Pilzbüchern mit dem Adjektiv „Ungenießbar“ bezeichnet. Nun, was bedeutet das? Dieser Pilz ist roh giftig aber abgekocht essbar, nur eben auch dann bitter. Er gilt deswegen als sogenannter „Kriegspilz“, d.h. zu Kriegszeiten, wenn es gar nix zu essen gibt würde man ihn durchaus essen. Der Autor dieser Zeilen selbst hat aus jungen Fruchtkörpern des Samtfußkremplings nach 20 minütigem Abkochen und entsprechendem Anrichten (Essig, Öl, Gurke etc.) eine Art Bayerischen Wurstsalat (nur eben ohne Wurst) kreiert. Die Geschmäcker sind verschieden und während die einen eine schwache Bitterkeit durchaus angenehm empfinden wählen die anderen lieber den Ausruf „Pfui Deifl“ um den Geschmack zu beschreiben. Vielleicht kommt irgendwann ein berühmter Sternekoch auf die Idee diese leichte Bitterkeit als hervorragendes Qualitätsmerkmal und wichtige Ernährungs- und Geschmackskomponente zu definieren, der Rucola läßt grüßen. Nach dem Abkochen wird natürlich das Kochwasser verworfen und, siehe da, es ist tiefviolett. Dieses Wasser läßt sich zum Färben von Wolle benutzen, je nach vorheriger Beize erhält man blaue bis violette Farben.

 

Der Samtfußkrempling ist verwechselbar mit anderen Kremplingen wie dem Kahlen Krempling, einem roh sehr giftigen und im erhitzten Zustand für tödlich verlaufende, allergische Erkrankungen verantwortlichen Pilz. Der Kahle Krempling ist der „Pilz des Monats September“, da erfahren sie dann mehr über diesen üblen Gesellen.

 

 

 

Wenn Sie nicht sicher sind ob Sie einen Samtfußkrempling vor sich haben oder nicht dann fragen Sie bei Zweifeln lieber nach beim Pilzberater Dr. Klaus Breese aus Straubing. Tel. 0174 3039708.