Ernte eines Heilpilzes: Die Schmetterlingstramete

Neben den Speisepilzen gibt es bekanntlich auch noch die Heilpilze, manchmal sind die Speisepilze zugleich auch Heilpilze, wir futtern uns sozusagen gesund an ihnen (wie es sich für gute Nahrungsmittel gehört). Die Heilpilze werden für die Behandlung verschiedenster Krankheiten verwendet und das schon teils seit hunderten von Jahren z.B. in der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin. Die pharmazeutische Wirkung der Heilpilze wird in vielen, vielen wissenschaftlichen Untersuchungen aus Asien bestätigt. Leider werden alle diese Untersuchungen in Europa nicht anerkannt, ein Schelm der Böses dabei denkt. Gute Lobbyarbeit der einheimischen Pharmaindustrie! Oder ich möchte an Ötzi erinnern, die Gletscherleiche, er hatte einen Zunderschwamm fürs Feuermachen dabei und einen Birkenporling, quasi als Reiseapotheke.

Im aktuellen Fall geht es um eine Krebserkrankung, die klinische Therapie soll durch die parallele Einnahme von Schmetterlingstramete in Teeform unterstützt werden. Benötigt werden ca. 20g getrocknete Schmetterlingstramete pro Tag. Mir war in der Nähe ein umgestürzter Baum bekannt an dem in relativ großen Mengen ein Pilz wächst den ich bisher immer als zumindest Tramete bestimmt hatte. Als ich jetzt wieder hin bin wuchsen die Fruchtkörper auch wieder. Die Wuchsform erinnerte mich aber auch an einen Rauchporling und, falls es doch eine Tramete ist, ist es wirklich eine Schmetterlingstramete? Ich stellte die Frage in diversen Foren und direkt an einige Pilzfreunde und die Antworten waren nicht ganz eindeutig. Nach Lektüre von viel Literatur und der mikroskopischen Mithilfe von Pilzfreund Franz Meindl, dem ich hiermit noch einmal ganz herzlich danken möchte, konnte der Rauchporling recht schnell aufgrund von Porenfarbe, Porengröße, Porenverteilung, Schichtung der Oberseite und der Farbe allgemein ausgeschlossen werden. Aber handelte es sich um eine Zonentramete oder um eine Schmetterlingstramete? Für die Schmetterlingstramete spricht das Vorhandensein von schwarzen Zonen auf der Hutoberfläche und einer schwarzen Cortexschicht zwischen Huthaut und Trama. Andererseits waren diese Fruchtkörper in Relation zu "normalen" Schmetterlingstrameten ziemlich dick (siehe Photo) und die Fruchtkörper hatten eine dicke Anwuchsstelle am Substrat, dies spräche eigentlich mehr für eine Zonen-Tramete. Nun, da die Literatur und meine Pilzfreunde dem Vorhandensein einer Cortexschicht die höchste Priorität als Entscheidungsmerkmal geben handelt es sich um eine etwas dick gewachsene Schmetterlingstramete.  Hurra, ich schritt also zur Tat. Über 2 Stunden dauerte die Ernte, da ich mit meinem kleinen Pilzmesser nicht weit kam musste "schweres Gerät" verwendet werden. Mein gutes Küchenmesser das alle paar Minuten nachgeschärft wurde. Wer schonmal versucht hat große Mengen Natur-Korken zu schneiden versteht mich. Ergebnis: 3,6 Kilo Frischpilz. Diese wurden dann in 4(!) Stunden weiter zerkleinert und mit Hilfe eines Kachelofens in mehreren Stunden und über Nacht getrocknet. Ergebnis: 1,2 Kilo getrocknete Fruchtkörper die schon unterwegs zu seinem glücklichen Empfänger sind. Und vielen Dank nochmal allen die sich an der regen Diskussion bzgl. Artbestimmung beteiligt haben. Wer nicht fragt bleibt dumm und wer um die Hilfe anderer bittet zeigt dass es ihm wichtiger ist viel Kompetenz ins Boot zu holen anstatt mit seiner eigenen, klugen Meinung vielleicht falsch zu liegen :-)

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