Pilz des Monats Dezember: Das Judasohr

Das Judasohr ist häufig und fruchtet bei uns vor allem an feuchten milden Wintertagen auf alten Holunderbüschen.
Das Judasohr ist häufig und fruchtet bei uns vor allem an feuchten milden Wintertagen auf alten Holunderbüschen.

 

 

Mit den ersten Bodenfrösten im Spätherbst ist für die meisten Schwammerlsucher die Saison vorbei. Dabei gibt es auch im Winter interessante und wohlschmeckende Speisepilze. Vor allem an alten Holundersträuchern kann man jetzt die Fruchtkörper des Judasohrs, mit dem wissenschaftlichen Namen Auricularia auricula-judae entdecken. Sie brechen direkt aus dem Holz heraus oft in luftiger Höhe. Ihr Aussehen ähnelt wirklich einem menschlichen Ohr, daher auch der Name. Dass die Pilze auch noch den Namen von Judas Iskariot, dem Jesus-Verräter, erhalten haben stammt von einer alten Sage. Die Geschichte geht so: Judas wollte, nachdem er Jesus verraten hatte, sich umbringen. Dazu wollte er sich in einem Baum erhängen. Er versuchte es in einem Holunder. Der Holunder wollte aber nicht dass Judas sich in ihm erhängt und ließ den Ast an dem sich Judas aufknüpfen wollte abbrechen. Holunderäste sind bekanntlich sehr brüchig. Judas sauste also runter aber ein Ohr von ihm blieb hängen. Danach versuchte er es in einer Weide, diese wollte es aber auch nicht und ließ ihre Äste durchhängen (Trauerweide), aber auch ein Ohr blieb in der Weide hängen. Deshalb findet man Judasohren oft in Holunder oder Weiden.

 

Die Fruchtkörper sind durchscheinend braun mit filziger Aussenseite und werden bis zu 15 cm groß. Die Innenseite ist mit Adern durchzogen, wie bei richtigen Ohren. Im frischen Zustand sind die Fruchtkörper elastisch und  gallertartig. Frost macht ihnen nichts aus. Nach dem Auftauen sind sie frisch wie vorher. Judasohren lassen sich auch hervorragend trocknen. Sie schrumpfen zwar auf ein Drittel ihrer ursprünglichen Größe zusammen, sehen aber bald wieder frisch und appetitlich aus, wenn man sie in Wasser einweicht. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat das Judasohr zum „Pilz des Jahres 2017“ gewählt. Es rege wegen seiner besonderen Eigenschaften dazu an, sich näher mit der Ökologie und Faszination unserer Pilze allgemein zu beschäftigen. Viele Menschen kennen einen nahen Verwandten des Judasohrs aus dem China-Restaurant. Das im Asiatischen Raum wachsende und dort vielfach gezüchtete Asiatische Judasohr wird als Mu-Err oder irreführend als „Chinesische Morchel“ serviert. Mit den echten Morcheln hat der Pilz allerdings verwandtschaftlich nichts zu tun. Das Judasohr gehört zu den sogenannten Heilpilzen, die hauptsächlich in der traditionellen Chinesischen Medizin Anwendung finden. Besonders geschätzt wird es wegen seiner Fähigkeit, die Fließeigenschaft des Blutes zu verbessern. Die Durchblutung wird gefördert und Thrombosen dadurch verhindert. Bereits im Mittelalter wurde das Judasohr zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen angewendet. Für die medizinische Anwendung werden die Pilze getrocknet und pulverisiert. In der Küche wird das Judasohr oft Gemüse- und Fleischpfannen beigemischt, für WOK-Gerichte ist es fast ein Muß. Obgleich der Geschmack nicht sehr intensiv ist, passt das Judasohr zu vielen Pilzmischgerichten und lässt sich hervorragend trocknen. Seine ungewöhnliche Form macht das Judasohr unverwechselbar. Giftige Doppelgänger sind nicht bekannt – also ein idealer Einsteigerpilz.

 

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